Dach-Haie - Riskante Haustürgeschäfte
Eine Information des Dachdecker Verbands Nordrhein
Den Griff in die Trickkiste beherrschen manche "Handwerker" besser als ihr Handwerk
selbst. Das beginnt bereits bei der Auftragsakquisition. Eine zeitgemäße Variante
der Neukundengewinnung ist der Einsatz so genannter Call-Center. Geschulte Telefonverkäufer
versuchen dabei, lukrative Aufträge für ihre eigenen Auftrageber abzuschließen.
Das Adressmaterial bzw. die entsprechenden Telefonnummern werden nach ganz bestimmten
Kriterien ausgewählt. Das können reine Wohngebiete sein, die vor etwa 25 bis 40 Jahren
entstanden sind. Hier ist die Chance sehr groß, Hausbesitzer von einer Dachsanierung
zu überzeugen. Ein anderes Kriterium sind "alte" Vornamen im Telefonbuch. Hier
wittern die Telefonverkäufer ein schnelles Geschäft mit älteren Hausbesitzern.
Eine weitere Variante der Auftragsgewinnung ist das Verkaufsgespräch an der
Haustüre. Auch hier kommen vielfach bestens trainierte Verkäufer zum Einsatz.
Und auch hier sind Senioren eine beliebte Zielgruppe.
Angeboten wird bei beiden - durchaus legitimen - Akquisitionsvarianten oft ein kostenloser oder vermeintlich
preiswerter "Dach-Check". Eine weitere Alternative ist die Argumentation,
man habe in der Nähe mehrere Baustellen und könne so ein günstiges Angebot unterbreiten.
Bis zu diesem Stadium ist die Arbeit der "Auftrags-Jäger" noch seriös - auch
wenn sich jeder Hausbesitzer im Klaren darüber sein muss, dass er mit der Bausumme
auch die Provision für die fleißigen Verkäufer - nicht selten bis zu 35% des
Auftragswertes - bezahlt. Ein Preisaufschlag, der ihm bei der direkten Auftragserteilung
an den Dachdeckerlnnungsbetrieb vor Ort erspart bliebe.
Unseriös wird die Arbeit
der "Auftrags-Jäger", wenn sie noch zögernde Hausbesitzer mit zweifelhaften
Methoden zum Auftrag drängen wollen. Hier einige Beispiele:
Abbildung: Nachmörteln wird teuer
Beim angeblichen
"Dach-Check" wird am vermörtelten First des Daches einmal kräftig geruckt. Der
Mörtel bricht und schon ist ein, "Schaden" entdeckt. Mit Hinweis auf das nächste
Unwetter lässt sich so mancher Kunde schnell zur Unterschrift nötigen. Ebenso
beliebt ist die Aussage, es seien schwere Schäden entdeckt worden, so dass eine
komplette Sanierung unumgänglich werde. Als Beweis dienen nicht selten Ziegelbruchstücke
und morsche Holzreste, die das findige "Handwerker-Team" natürlich selbst mitgebracht
haben.
Eine neuere Variante ist das Fotografieren kleiner Dachschäden mit der
Digitalkamera. Dem Hausbesitzer wird das Foto noch an der Haustüre präsentiert.
Wer dennoch zögert einen Auftrag zu unterschreiben, wird mit der Drohung konfrontiert,
man werde das Foto an seine Gebäudeversicherung senden.
Auch wenn der Gesetzgeber
bei Haustürgeschäften dem Auftraggeber ein zweiwöchiges Rücktrittsrecht einräumt,
versuchen die unseriösen Handwerker dies auszuhebeln. Möglichkeit 1: Sie kassieren
die gesamte Auftragssumme sofort in bar. Möglichkeit 2: Sie beginnen spätestens
am nächsten Tag schon mit dem Abriss des Daches. Wer traut sich jetzt noch,
von seinem Rücktrittsrecht Gebrauch zu machen?
Gerne lässt sich der Verkäufer
auch noch die kleingedruckte Passage im Vertrag unterschreiben, er habe den
Hausbesitzer ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass im Zuge der Dachsanierung
auch die geltenden Vorschriften der Energieeinsparverordnung (EnEV) zu erfüllen
seien, dies aber abgelehnt wurde. Damit erspart dieser Handwerker dem Kunden
angeblich zusätzliche Kosten - doch den "Schwarzen Peter" wegen Nichterfüllung
der EnEV hat nun der Kunde.
Abbildung: Pfusch durch unseriöse Arbeit
Über die Ausführung der Arbeiten, die dann unverzüglich
folgen, haben Bausachverständige und Gerichtsgutachter schon so manchen Aktenordner
prall gefüllt. Denn nicht selten werden Dachreparaturen oder komplette Sanierungen
geboten, die mit den Fachregeln des deutschen Dachdeckerhandwerks nicht viel
gemeinsam haben. Und dieser Pfusch wird dann in vielen Fällen noch zu Preisen
abgerechnet, die messerscharf an der Grenze zum Straftatbestand des Wuchers
sind. Den betroffenen Hausbesitzern dieser Dach-Haie, wie solche Handwerker
in der Branche genannt werden, bleibt meist nur die nochmalige Ausführung der
Arbeiten durch einen seriösen Betrieb. Und dazu die traurige Gewissheit, dass
sie ihre Dachsanierung mehr als zweimal bezahlt haben.